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Professoren im Gespräch Professor Steuding (l.) sprach über die Faszination von Primzahlen und Dr. Gehrig (r.) beantwortete bei einer angeregten Diskussion die Fragen des Publikums. Foto: Dr. Adriana Lalegname

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Von Primzahlen bis hin zu autonomen Fahrzeugen <<

Am 17. November 2017 öffnete die Hochschule für Technik Stuttgart nun schon zum 23. Mal ihre Pforten für den Mathematikertag. Rektor Prof. Rainer Franke eröffnete die Veranstaltung und lobte die zentrale Rolle der Mathematik in allen Studiengängen. In seiner Begrüßung richtete Prof. Dr. Harald Bauer, Studiendekan des Bachelor-Studiengangs Mathematik den Blick auf die zahlreichen Ereignisse des vergangenen Jahres im Studiengang Mathematik und auf die zukünftigen Entwicklungen, insbesondere das Studienkonzept MATHE2 – Work&Study. (Verlinkung auf Seite)

Den Schwerpunkt des Nachmittags bildeten die zwei überaus interessanten mathematischen Vorträge von Prof. Dr. Jörn Steuding, Professor an der Universität Würzburg, und von Dr. Stefan Gehrig von der Daimler AG.

Mit dem Titel „Von den Primzahlen zu einem Millenniumsproblem“ entführte Prof. Dr. Jörn Steuding das Publikum in die Welt der Primzahlen. Seine Begeisterung für Primzahlen übertrug sich von Beginn an sofort auf alle Anwesenden und er erläuterte, dass dieser Tag ganz im Zeichen der Primzahlen steht – 23. Mathematikertag am 17.11.2017 (11, 17, 23, 2017 sind alles Primzahlen). Steuding spannte gekonnt einen Bogen von der Bedeutung der Primzahlen in Natur (Paarungszyklen von Zikaden), Technik (Intel-Pentium Prozessor) und Wissenschaft (Kryptographie) zum sechsten Millenniums-Problem, der Riemannschen Vermutung. Er erläuterte mit historischen Verweisen den Zusammenhang zwischen Primzahlen und der Riemannschen Vermutung über die Nullstellen der Riemannschen Zetafunktion. Über die Jahrhunderte hinweg konnten viele namhafte Mathematiker, wie Gauss, Euler, Riemann, Hadamard, von Mangoldt und Erdös wichtige Erkenntnisse zum Beweis der Vermutung beitragen. Trotzdem ist die Vermutung bis heute weder bewiesen noch widerlegt. Zum Abschluss des Vortrags präsentierte Professor Steuding dem Publikum seine Lieblingsprimzahl 13 und die größte bisher gefundene Primzahl, die Zahl 274207281-1.

Nach einer kurzen Kaffeepause gab Dr. Stefan Gehrig von der Daimler AG mit seinem Vortrag „Computer Vision for Autonomous Driving“ einen Einblick in die Entwicklung und Forschung auf dem Gebiet der Fahrassistenzsysteme und autonom fahrender Autos.
Stefan Gehrig zeigte anhand von vielen ausführlichen und interessanten Beispielen, wie die Sensoren die Umgebung erkennen, in Daten umwandeln und verarbeiten und bei Gefahren durch Fußgänger oder Querverkehr mit Brems- und Ausweichmanövern reagieren. Die Entwicklung geht in Richtung von voll autonomen Fahrzeugen, die Verkehrszeichen (z.B. Ampeln), Gefahren durch andere Verkehrsteilnehmer und Objekte auf der Fahrbahn erkennen und darauf geeignet reagieren. Ermöglicht wird dies durch die Kombination von Radar- und Lidarsystemen, Stereosensoren und Deep Learning. Einen kleinen Einblick in die Zukunft der autonomen Fahrzeuge gewährte Herr Gehrig mit einem Video des „Bertha Benz Drive“ aus dem Jahre 2013. Für dieses Projekt wurde ein aktuelles Fahrzeug der Daimler AG zu einem autonom fahrenden Auto umgebaut. Dieses Auto absolvierte selbstständig und ohne menschliches Eingreifen die Route von Mannheim nach Pforzheim, welche Bertha Benz 1888 befahren hatte.

Im Anschluss an die Vorträge fand als Höhepunkt des Nachmittags die Preisverleihung für hervorragende Studienleistungen statt. Unter großem Beifall wurde Rostislaw Neumann mit dem Preis der Versicherungsgesellschaften im Raum Stuttgart für den besten Abschluss im Bachelor-Studiengang Mathematik im Sommersemester 2016 von Prof. Dr. Paul-Georg Becker ausgezeichnet.

Zur Abrundung des offiziellen Teils der Veranstaltung stellte Prof. Dr. Jürgen Fischer sehr gekonnt und anschaulich die mathematische Preisaufgabe und deren Auflösung vor. Herr Fabian Hägele und Herr Erik Hundeshagen haben richtige Lösungen eingereicht und wurden dafür mit dem Buch „Der goldene Schnitt“ ausgezeichnet. Professor Fischer bedankte sich für das große Interesse an seinen Preisaufgaben - insgesamt stellte er 41 Aufgaben in 20 Jahren - und gab dem Publikum eine letzte Knobelei mit auf den Weg. Wir bedanken uns herzlich für 42 interessante, vielfältige und knifflige Problemstellungen.

Das anschließende gemütliche Beisammensein im Lichthof bot reichlich Gelegenheit zum Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden, Ehemaligen und Externen. Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren.

Rouven Steinle (rouven.steinle@hft-stuttgart.de)