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Exkursion zum Logistikprofi Amazon <<


Studierende des Master-Studiengangs Umweltorientierte Logistik auf Exkursion

Studierende des Master-Studiengangs Umweltorientierte Logistik besuchten im Januar mit Prof. Dr. Andrea Lochmahr das Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim. In Deutschland betreibt der amerikanische Versandhändler insgesamt zwölf Zentren für Logistikabwicklung. Seit 2012 ist der 110.000 m² große Pforzheimer Standort in Betrieb. 1.300 Mitarbeiter kümmern sich täglich um den Versand von bis zu 60.000 Paketen. Aufgrund seiner effizienten Lagerhaltung und Prozessgestaltung wird das Logistikzentrum als weltweites Benchmark-Werk gehandelt.

Bei der Einführungspräsentation bekamen die Studierenden einen kurzen Überblick zu den Eckdaten des Standortes sowie einen Einblick in Amazons Unternehmensphilosophie. Zur Geschäftsvision gehören Innovation und Fortschritt. Über die Jahre entwickelte das Unternehmen viele neue Geschäftsideen und Geschäftsbereiche, z.B. Amazon Prime als prominentestes Beispiel. Amazon Go, die jüngste Entwicklung des Unternehmens, beinhaltet die Idee eines intelligenten bzw. smarten Shops. Hierbei soll der Kunde durch Funktechnologie bargeldlos und ohne die Nutzung von Kassen einkaufen können.

Amazon setzt in Zukunft verstärkt auf den Bereich Robotics und Cloud-Computing. Durch den Einsatz von Robotern sollen die so genannten Kommissionierer in den Logistikzentren unterstützt werden. Die Maschinen sorgen künftig dafür, dass die Ware automatisch beim jeweiligen Mitarbeiter ankommt. Auch über eine Optimierung der letzten Meile wird zurzeit diskutiert. Durch den Einsatz von Drohnen soll die Ware zum Endkunden gelangen.

Das Logistikzentrum arbeitet nach dem Prinzip der chaotischen Lagerhaltung, d.h. es gibt keine fest zugewiesenen Lagerplätze für einzelne Artikel oder Artikelgruppen. Von intelligenter Software gesteuert, wird die Ware zum optimalen Lagerort gebracht und kann bei der späteren Auslagerung eindeutig lokalisiert werden. Ausnahmen bilden hochwertige Güter, die gesammelt in einem Bereich gelagert werden, sowie sehr großvolumige Waren, die aufgrund ihrer Dimensionen in der zweiten Etage des Hauptlagers ohne Hochregale eingelagert sind.
Der überwiegende Teil der Waren wird in zwei großen Hallen über Hochregallager auf Paletten gelagert. Mit Staplern gelangen die Mitarbeiter an die Ware. Hierbei wird nicht palettenweise kommissioniert, sondern direkt von der Palette herunter. Amazon reagiert mit der chaotischen Lagerhaltung flexibel auf Nachfrageschwankungen und potenziellen Bedarfserhöhungen der Kunden. Bei speziellen Aktionen, wie z.B. der Einführung einer neuen Spielekonsole, wird ein neuer Bereich im Lager markiert und als gebündelter Lagerort für die entsprechende Ware gekennzeichnet. Die dadurch entstandenen kürzeren Wegezeiten ermöglichen eine schnellere Abwicklung des Pickens und Verpackens.

Die Verpacker werden in Single-, Multi- und Sonderpicker unterteilt. Ware für Sonderpicker sind Güter, die nicht regelmäßig verpackt und versendet werden und für die keine standardmäßige Verpackung verwendet werden kann. Im Warenausgang gibt es Packstationen, an denen die kommissionierten Waren verpackt werden. Je nach Auftragslage kann die Anzahl der Mitarbeiter flexibel angepasst werden. Mittels Barcode-Reader und Aufklebe-Maschine werden die Pakete adressiert. Die Verpacker wissen nicht, an wen die Ware geht. Die Versender im Warenausgang besitzen kein Wissen über den Inhalt. Damit wird die Anonymität der Kunden gewährleistet. Über Fördertechnik werden die Pakete von der Verpackstation in den Outbound-Bereich verbracht und dort direkt in die angedockten Lkws der Logistikdienstleister verladen. Alle Prozesse sind penibel aufeinander abgestimmt, um einen effizienten Ablauf zu gewährleisten.

Durch die Besichtigung des Logistikzentrums konnten die Studierenden theoretischen Inhalte des Studiums in der Praxis erleben und damit ein tieferes Verständnis für die Abwicklung logistischer Prozesse bekommen.

Von Hoang Thi Do und Benjamin Wohlfarth
Studierende erstes Semester Umweltorientierte Logistik