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informatiktag2016-2a.jpg Fotos: Prof. Dr. Ralf Kramer
Vortragender beim Informatiktag

12. Informatiktag <<

Der 12. Informatiktag wurde am 28. April 2016 eröffnet vom Dekan der Fakultät VIM Prof. Dr. Heusch sowie mit einem Grußwort des Rektors Prof. Franke. Der erste Vortrag wurde von einem Absolventen eines der Informatik-Studiengänge gehalten, Herrn Rücker, der 2008 den Master Software Technology abschloss.

Bereits vor Beginn seines Master-Studiums an der HFT Stuttgart war Herr Rücker als „Workflow-Freiberufler“ tätig, unmittelbar nach dem Studienabschluss gründete er gemeinsam mit einem Partner die Camunda Services GmbH in Berlin. In seinem äußerst interessanten Vortrag ging er auf die Entwicklung des Unternehmens von einem Beratungshaus für Geschäftsprozessmanagement hin zu einem Software-Anbieter ein. Die Business Process Management (BPM) Software selbst ist frei verfügbar unter der Apache-Lizenz, sie wird in zahlreichen Branchen von namhaften Kunden eingesetzt. Seit 2 Jahren hat das Unternehmen auch eine Niederlassung in den USA. Ausführlich ging Herr Rückert auf seine eigenen Rolle im Verlauf der Firmenentwicklung ein. Nunmehr fungiert er als „Technology Evangelist“, da nach seiner Erfahrung zur Führung eines größer gewordenen Unternehmens andere Fähigkeiten erforderlich sind als während der Gründungsphase. Dies wurde zugleich mit Verweisen auf einschlägige Literatur zu Unternehmensgründungen belegt. Auch für Laien sehr anschaulich war die Live-Demonstration der BPM-Software anhand eines fiktiven Versicherers und dem Abschluss einer KFZ-Versicherung, die – je nach Antragsteller und Automodell – entweder vollständig automatisiert erfolgt oder aber manuelle Eingriffe und letztendlich eine individuelle Prüfung erfordert. Anekdoten aus der Firmengeschichte („Warum macht Ihre ein Alte-Männer-Thema wie BPM?“), die aber letztendlich immer zu sehr ernsthaften Überlegungen zur Weiterentwicklung des Unternehmens führten, sowie die Diskussion während und im Anschluss des Vortrags vermittelten weitere Einsichten.

Im folgenden Vortrag stellte Matthias Frederick von Capgemini Deutschland zunächst am historischen Beispiel der deutschen Post das Wechselspiel zwischen Basistechnologie und Prozessgestaltung dar. Nach systematischer Ausreizung des Transportmittels „Pferd“ mittels Relaisstationen gelangen deutliche Verbesserungen erst mit der Motorisierung. Ausgehend von diesem Beispiel zeigte er dann die Wirkung der IT als Enabler der Prozessveränderungen der letzten 50 Jahre auf, z.B. beim Wegfall der Telefonvermittlungen zugunsten digitalisierter Lösungen. Der IT-Einsatz verlagerte wesentliche Herausforderungen in die IT-Abteilungen und ggf. Rechenzentren der Unternehmen. Gerade den Flexibilisierungsanforderungen und dem Kostendruck zeigen sich nach seiner Erfahrung als Leiter der für diesen Bereich in D/A/CH zuständigen Berater bei Capgemini intern aufgebaute Rechenzentren immer weniger gewachsen. Er postulierte daher anhand eines skizzierten Beispielprozessen von der Idee bis zur Umsetzungskontrolle provokant, dass die zukünftige IT-Abteilung ohne IT arbeitet, also im wesentlichen Ideengeber beim fachlichen Entwurf und später bei der Genehmigung und Leistungsumsetzungskontrolle unterstützt. In der Folge entwickelte sich eine rege Diskussion um die Zukunft der Studierenden als Programmierer oder als IT-Experten in einem solchen Szenario.

Der dritte Vortrag von Oliver Schuler, Geschäftsführer bei der TriCAT GmbH, stellte zunächst anhand mehrerer konkreter Beispiele aus den Bereichen Rettungskräfte, Bildung sowie Technik- und Prozessschulung Nutzen und Potenziale virtueller 3D-Welten in Training, Lernen und Weiterbildung dar. Er schilderte auch die Integration aktueller Ein-/Ausgabegeräte wie Microsoft Kinect-Kamera und Oculus Rift-Brille, die weitere Potenziale der Immersion und der Interaktion in solchen Umgebungen erschließen. Den Stand der Technik verdeutlichte er anhand der Möglichkeiten auch heutiger Trainer, mittels Szenario-Editoren ganze Szenarien vorab zu planen und dennoch mit weiteren Werkzeugen live in den Ablauf des Trainings eingreifen zu können. Er zeigte davon ausgehend anhand genereller Eigenschaften virtueller 3D-Welten didaktische Potenziale bei Methoden und Umgebungsgestaltung auf. Schließlich erläuterte er detailliert die Architektur und Technik hinter der Bereitstellung solcher virtueller 3D-Welten als Service wahlweise on demand in der Cloud oder on premise in einer virtualisierten Infrastruktur und ging auf die große Bedeutung offener Standards und Schnittstellen in diesem Kontext ein, womit er den Bogen zum vorigen Vortrag spannte.

Trotz niedriger Temperaturen, aber bei Sonnenschein, fand der Informatiktag seinen ebenfalls schon traditionellen Ausklang beim Grillen und weiteren interessanten Gesprächen.

Prof. Dr. Ralf Kramer (ralf.kramer@hft-stuttgart.de)
Prof. Dr. Gero Lückemeyer (gero.lueckemeyer@hft-stuttgart.de)