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Berufseinstieg im Baugewerbe: Studierende trafen erfolgreiche HFT-Absolventen <<

Am 26.04.2016 lud der Unternehmerbeirat der baubezogenen Studiengänge der Fakultät B erneut zu einem Unternehmerforum ein. Hier wird Studierenden aus den baubezogenen Studiengängen bereits seit 2001 die Möglichkeit gegeben, erfolgreiche PraxisvertreterInnen aus namhaften Unternehmen der regionalen Bauwirtschaft kennen zu lernen. Bei der diesjährigen Veranstaltung nahmen etwa 100 Studierende der Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen Bau und Immobilien, Bauingenieurwesen und Infrastrukturmanagement teil.

Zu Beginn begrüßten der Beiratsvorsitzende Torsten Heck und Dekan Thomas Benz die Referierenden, Professoren und Studierenden. Anschließend präsentierte Karoline von Graevenitz, Pressesprecherin der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, über aktuelle Chancen für Absolvierende baubezogener Studiengänge. Sie berichtete von rund 1.000 unbesetzten Bauingenieurs- und Vermessungsstellen in Baden-Württemberg, wobei der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren, aufgrund des demographischen Wandels, voraussichtlich weiter steigen wird.

Anschließend referierten vier Absolvierende der HFT in Kurzvorträgen über ihren Berufseinstieg und beruflichen Erfolg.

Harald Supper, Direktionsleiter der Ed. Züblin AG Stuttgart leitete seinen Vortrag mit einer Lochkarte ein, auf die zu seiner Zeit die Leistungsnachweise an der „FHT“ ausgestellt wurden. Nach erfolgreichem Abschluss zum Diplom-Ingenieur (FH) begann er 1987 als Bauleiter bei Züblin zu arbeiten und stieg in 30 Jahren bis zum technischen Direktionsleiter auf. Dank erfahrener Lehrmeister konnte er während seiner beruflichen Laufbahn häufig von deren langjähriger Praxiserfahrung profitieren. Neben diesem Ratschlag – Erfahrungen auf der Baustelle zu sammeln – betonte Herr Supper die Bereicherung eines Auslandsaufenthaltes. Er selbst wurde bereits mehrfach im Ausland eingesetzt und profitiert noch heute sehr von den dort gesammelten Erfahrungen.

Dem konnte sich Melanie Schreiber der Geiger Unternehmensgruppe anschließen. Nach ihrer Maurerlehre reiste sie zunächst ein Jahr als Backpackerin durch Australien. Da ihr Vorhaben, dort als Maurerin Geld zu verdienen leider daran scheiterte, dass sie eine Frau ist, finanzierte sie sich ihre Reise durch „Obst pflücken“. Zurück in Deutschland absolvierte sie ihr Bauingenieurstudium an der HFT und ist nun seit 2014 bei Geiger als Jungbauleiterin im Schlüsselfertigbau tätig. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Mithilfe bei Ausschreibungen, Angebotsauswertungen, Vergabe von Nachunternehmerleistungen sowie die Baubetreuung vor Ort. Frau Schreiber behauptete von sich selbst, nach dem Studium noch sehr viel lernen zu müssen und auch sie betonte, wie sehr man von dem Wissen erfahrener Kolleginnen und Kollegen profitieren kann. Zusammengefasst ist sie sehr glücklich mit ihrer Berufswahl und empfiehlt allen Studierenden sich nicht zu verstecken, Fragen zu stellen und das Gespräch zu suchen.

René Fouquet – der dritte Referent – absolvierte vor seinem Ingenieurstudium an der HFT eine Tischlerlehre, wodurch er seine Fachhochschulreife erwarb. Dies ermöglichte ihm, an der HFT Bauingenieurwesen zu studieren. Heute ist er bei der Firma MEVA Schalungs-Systeme GmbH angestellt, in welcher er bereits seine Bachelorarbeit schrieb. Herr Fouquet wurde zunächst sechs Monate zur Einarbeitung in der Zentrale in Haiterbach, anschließend ein halbes Jahr in München und später als Bauleiter in Stuttgart eingesetzt. Nach nur eineinhalb Jahren Berufserfahrung bekam er das Angebot in den Vertrieb zu wechseln. Da sich sein Kollege in den Ruhestand verabschiedete, war er von nun an für die Bestandskundenbetreuung, Neukundenaquise, Baustellenbetreuung und Auftragsverhandlung in Baden-Württemberg verantwortlich. Begeistert berichtete er unter anderem von seinem Kurzaufenthalt in Quatar, wo er sehen konnte, wie dort gebaut wird. Auch er empfiehlt den Studierenden, Auslandserfahrungen unbedingt mitzunehmen.

Stefan Maurer, Rohbauleiter der Gottlob Rommel Bauunternehmung GmbH & Co. KG rundete die Kurzvorträge ab. Er blickt mittlerweile auf 12 Jahre Berufserfahrung als Bauingenieur zurück, wovon er vier Jahre als Leiter des betrieblichen Verbesserungsmanagements tätig war. Den Zuhörern gab er einen sehr interessanten Einblick seiner bereits betreuten Projekte und entwickelten Verbesserungen, wie z. B. das Magazin auf Rollen, wodurch auf den Baustellen wertvolle Zeit durch die zuvor benötigten Laufwege eingespart werden kann. Er appellierte an die Studierenden, sich seinen Erwartungen und Zielen bereits vor der Entscheidung für ein Unternehmen bewusst zu sein. Zudem empfahl Herr Maurer, mit sich selbst im Gleichgewicht zu stehen. Dies verdeutlichte er anhand eines Tippkick-Männchens, der auf seinem Standbein sicher ruht und gleichzeitig ein Spielbein hat, um neue Projekte mutig anzugehen.

Beim anschließenden Podiumsgespräch stießen Carsten Kirchmaier von der Fachschaft und die Studiendekane Heiner Hartmann und Falk Huppenbauer zu den ReferentInnen. Hier wurden die Fragen des Publikums sehr informativ und ausgiebig beantwortet. Die UnternehmensvertreterInnen wiesen unter anderem darauf hin, dass die Gehälter im Baugewerbe mittlerweile an andere Branchen angepasst wurden. Zusatz- und betriebliche Sozialleistungen sind jedoch im Vergleich zur Großindustrie leider noch deutlich geringer. Desweiteren äußerte Herr Supper, dass sich die Einstiegsgehälter von Bachelor- und Master-AbsolventInnen häufig bereits in den ersten Jahren angleichen. Eine generelle Empfehlung für den Berufseinstieg als Master konnte demnach nicht gegeben werden. Ebenso wurde die Frage diskutiert, wie sich die Lehre an der HFT für aktuelle und zukünftige Herausforderungen der Baubranche weiterentwickeln muss. Obwohl die zunehmende Digitalisierung die Bauprozesse stark verändern wird, werden die klassischen Grundlagen weiterhin eine wichtige und unverzichtbare Basis bleiben.

Im Anschluss konnten die Studierenden während des „Get-togethers“ die Chance nutzen, den ReferentInnen und weiteren UnternehmensvertreterInnen sowohl Fragen zu stellen als auch Kontakte zu knüpfen.

Harald Petermann (harald.petermann@hft-stuttgart.de)