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Stuttgart–Klimaanpassung stärker in der Stadt- und Regionalplanung zu verankern, und mit Energiekonzepten zu verknüpfen, das waren die Ziele des Forschungsprojektes „Klimaanpassung Region Stuttgart“ (KARS). Mit Bundesmitteln unterstützt, haben die Projektpartner Verband Region Stuttgart, Hochschule für Technik Stuttgart, die Städte Esslingen am Neckar und Ludwigsburg sowie das Energetikom Strategien dazu erarbeitet und Handlungsansätze entwickelt. Die Ergebnisse diskutierten am Freitag rund 200 Teilnehmende beim elften „Tag der Planung“ in Stuttgart.

So bedarf es eigenständiger Klimaanpassungskonzepte als Regelaufgabe in der Stadt- und Regionalplanung und eine engere Zusammenarbeit von Klimatologen, Landschaftsplanern, Stadtplanern und Architekten. Eine wichtige Erkenntnis sei, so der Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Detlef Kurth, „dass die vorhandenen Planungsinstrumente auf kommunaler Ebene ausreichen, aber zu wenig systematisch angewendet werden“. Klimaschutz und Klimaanpassung müssten in der Verwaltung stärker verzahnt und bestehende Leitbilder um Ziele der Klimaanpassung ergänzt werden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen lassen sich in fünf Gruppen einordnen: Wasser in der Stadt, Grünflächen in der Stadt, helle und reflektierende Oberflächen an Fassaden oder als Bodenbeläge sowie Schattenflächen. Diese gilt es nun zu erproben.

„Klimaanpassung ist ein Zukunftsthema, das über die Verwaltungsgrenzen der einzelnen Kommunen hinausreicht. Hier sind eine überörtliche Abstimmung und eine enge Verzahnung von Fachbereichen und planerischen Ebenen gefragt. Dieses ‘Kräfte bündeln‘ hat sich der Verband Region Stuttgart auf die Fahnen geschrieben“, so Dr. Nicola Schelling, Regionaldirektorin, Verband Region Stuttgart. Der Verband hat das Forschungsprojekt angestoßen und rund 300.000 Euro an Bundesmitteln eingeworben.

Der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann, zeigte sich in der Diskussion mit den Oberbürgermeistern der beiden Pilotkommunen und dem Projektleiter an der Hochschule für Technik Stuttgart, Prof. Dr. Detlef Kurth, davon überzeugt, dass „die Erkenntnisse aus dem Projekt auch die Strategie der Landesregierung zur Anpassung an den Klimawandel in Baden-Württemberg weiter voran bringen werden“.

Klimaanpassung bei der Stadt Esslingen

Ziel des KARS-Projektes in Esslingen war es, das Thema Klimaanpassung in der Flächennutzungsplanung zu verankern. Die Stadt Esslingen am Neckar befindet sich in der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans für den Zielhorizont 2030, flankiert von einem Landschafts- und Umweltplan. Der „Layer“ zur Klimaanpassung ist dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen Bauleitplanung, Landschaftsplanung und Umweltprüfung. Er hat sich als geeignetes Instrument erwiesen, um die übergeordneten Klimaanpassungsstrategien von Bund und Land sowie die Forderungen aus dem Baugesetzbuch auf die kommunale Ebene zu übertragen und umzusetzen. Damit ist ein erster wichtiger Schritt erreicht. Durch die detaillierte Analyse der lokalen Situation konnten nicht nur die zu erwartenden Folgen der Klimaveränderungen für Esslingen aufgezeigt, sondern auch Handlungsoptionen erarbeitet werden, wie beispielsweise das Freihalten von Frischluftschneisen. „Die Ergebnisse von KARS liefern deshalb einen wertvollen Beitrag in einer gesamtstädtischen Strategie zu einer intelligenten zukunftsfähigen Stadtentwicklung“, so Dr. Jürgen Zieger, Oberbürgermeister der Stadt Esslingen a.N.

Klimaanpassung bei der Stadt Ludwigsburg

In Ludwigsburg wurde die klimaangepasste Gestaltung eines Neubau-Quartiers im „Entwicklungsbereich Ost“ nördlich des Stadions untersucht. Dabei wurde speziell die Überhitzung und veränderte bioklimatische Situation durch den Klimawandel in zwei Stufen untersucht. Zunächst wurde der städtebauliche Wettbewerb für das neue Wohngebiet anhand einer Checkliste überprüft. Anschließend erfolgten klimatische Simulationen, um die klimaökologische Wirkung von Neubauten zu bewerten. Aus den Ergebnissen konnten Maßnahmen abgeleitet werden, um die bestehenden Vorhaben klimaökologisch zu verbessern. Das mehrstufige Vorgehen erwies sich als richtiger Weg, da bereits in einer frühen Phase von städtebaulichen Wettbewerben klimatisch günstige Strukturmerkmale in die Entwürfe eingearbeitet werden können. Bereits bei der Ausschreibung und Vorprüfung können z. B. über Strukturkonzepte Hinweise auf eine klimatisch günstige Ausgestaltung gegeben werden. Werner Spec, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg sagte: „Die Anpassung an veränderte Klimabedingungen ist eine wichtige Aufgabe, derer sich Kommunen annehmen müssen. Nur dann wird es möglich sein, dass sich die Menschen in der Stadt weiterhin wohl fühlen und gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen haben“.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind als Band 32 in der Schriftenreihe des Verbandes Region Stuttgart erschienen. Die Publikation kann ab sofort online bestellt werden unter www.region-stuttgart.org (im Menüpunkt „Information und Download“).

Medienkontakt:

Energetikom – Energiekompetenz und Ökodesign e.V.
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