Master-Thesen

HOW ABOUT ART?
Schaffung einer neuen Identität für Luftseilbahnen im urbanen Raum

„How about ART“ stellt die Frage nach dem Einsatzgebiet von Luftseilbahnen im urbanen Raum. So steht die Abkürzung ART für Aerial ropeway transit und definiert dabei ein Verkehrsmittel, das Fahrgäste mit Hilfe einer über Seilen gezogenen Kabine über den Luftweg befördert.

Seilbahnsysteme werden im europäischen Raum vor allem mit ihrer herkömmlichen Paradedisziplin der winter- und sommertouristischen Nutzung verbunden. Doch zeigen erfolgreiche Mobilitätsprojekte in Südamerika, dass Seilbahntrassen als Teil eines öffentlichen Verkehrsnetzes Potential für den Einsatz im urbanen Raum besitzen. Dies ist besonders in Anbetracht der stetigen Verstädterung und den dadurch wachsende Bedarf nach neuen innovativen Mobilitätsoptionen zu sehen. So besitzen Seilbahnsysteme spezifische Charakteristika, die ihr Einsatzgebiet zum gängigen ÖPNV abgrenzt. Dabei sollen Luftseilbahnen nicht als ‚Allheilmittel‘, sondern als mögliche Verkehrsoption berücksichtigt werden, welche als fließende Ergänzung zum bestehenden Verkehrsnetz dienen.

In Europa findet ein Umdenken durch die Unerfahrenheit und bestehende Hemmnisse der Entscheidungsträger sowie Bürger bezüglich des Systems Seilbahn hingegen nur langsam statt. Jedoch zeigen vielfache Diskussionen, um mögliche Seilbahnstrecken in Deutschland das steigende Interesse an der neuen Verkehrslösung. Ebenso wird sich die Seilbahn aus Expertensicht schrittweise als öffentliches Nahverkehrsmittel durchsetzen. Für diese Etablierung ist eine allumfassende Überzeugungsarbeit der Beteiligten notwendig. Dabei spielt auch die Schaffung einer neuen Identität, die sich von dem bekannten alpin eingesetzten Seilbahnanlagen abgrenzt, als Teil des Prozesses eine entscheidende Rolle.

Um diese neue Identität beispielhaft zu entwickeln dient die Gestaltung eines Stationsgebäudes am Bahnhof Vaihingen in Stuttgart, da hier aktuell eine mögliche Seilbahntrasse geprüft wird. Hierfür ist das Ziel dieser Arbeit mögliche Projektbeteiligte an die Thematik der urbanen Luftseilbahn anzunähern und Vorurteile abzubauen. Zu diesem Zweck wird zunächst das technische Wissen und Verständnis um die Vorzüge, Nachteile sowie den geeigneten Einsatzmöglichkeiten einer Seilbahn dargestellt. Wie sehr die Gestaltungsansätze abhängig von ihrem Einsatzgebiet und der Funktion variieren können, zeigt anschließend die vor Ort Analyse der Anlage in Mayrhofen als alpines Beispiel, der touristischen Anlage im urbanen Kontext von Koblenz sowie der im öffentlichen Verkehrsnetz integrierten Umlaufbahn in London.

Die daraus gewonnenen Parameter für eine Seilbahn als urbanes Verkehrsmittel dienen als Leitfaden für das Stationsgebäude als Teil eines Mobilitätsknotenpunktes in Vaihingen. Dabei gilt es die Besonderheiten des Transportmittels Seilbahn zu betonen sowie die Nutzbarkeit für den potentiellen Fahrgast darzustellen. So soll sich die exemplarische Gestaltung der Seilbahnstation in den Überzeugungsprozess eingliedern, die Vorstellungskraft der Beteiligten unterstützen und dadurch eine Offenheit gegenüber dem Pilotprojekt in Vaihingen herstellen. Dabei ist zu beachten, dass jeder Ort einen anderen Kontext bietet und die Schaffung einer neuen Identität.


Lena Hainzinger, Absolventin Sommersemester 2017