Master-Thesen

"Um die Zukunft zu gestalten muss man die Vergangenheit kennen."

Der Studiengang International Master of Interior-Architectural Design (IMIAD) beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem (Innen-) Architekten Adolf Loos. Im Oktober 2014 waren wir bereits mit  Professor Wolfgang Grillitsch auf den Spuren von Adolf Loos unterwegs. Ein Jahr später im November 2015 wurden vom Studiengang zwei Themen als „Call for Master-Thesis“ herausgegeben. Eines davon war „ Das Andere Lernen. Adolf Loos & Innenarchitektur“. Mit der Ausschreibung verbunden war die Finanzierung einer Studienreise zu den Wirkungsorten von Adolf Loos. Für mich war das die Chance architekturhistorisch zu arbeiten und dabei eine finanzierte Vorortrecherche zu unternehmen! In einem internen Pitch bewarb ich mich um dieses Thema und erhielt wenig später die Zusage. Unter der Betreuung von Professor Wolfgang Grillitsch und Dr. Ing. Hans-Jürgen Breuning erarbeitete ich meine Master-Thesis zum Thema „Das Andere Lernen. Adolf Loos – Vordenker, Vorreiter, Vorbild.“

Zunächst standen die Recherche der Person an und die Vorbereitung der dreiwöchigen Studienreise, welche mich nach Wien, Brünn, Prag und Pilsen führte. Durch die Vorarbeit stand fest, dass der Schwerpunkt der Master-Thesis auf den Interieurs in Pilsen liegen sollte. Somit waren die anderen Stationen der Reise vor allem dem Erleben von Adolf Loos Räumen gewidmet. In Wien besuchte ich u. a. den Herrenausstatter Knize, das Looshaus am Michaelerplatz, die Loosbar und das Wohnzimmer von Loos eigener Wohnung, welches heute im Wienmuseum zu sehen ist. Zudem konnte ich auch den Loos Experten Dr. Markus Kristan interviewen, der den Nachlass von Loos im Archiv der Albertina betreut. Die Reise ging weiter nach Brünn, der Geburtsstätte von Loos. Dort konnte ich bei der Kunsthistorikerin Lucie Valdhansova übernachten, die ich bereits aus Pilsen kannte, wo sie uns im Jahr zuvor durch die Loos-Interieurs führte. Heute arbeitet Lucie in der Villa Tugendhat und führte mich durch dieses beeindruckende Bauwerk von Ludwig Mies van der Rohe. Erstaunlich wie unterschiedlich die Moderne Architektur doch zeitgleich war.

Danach führte meine Reise mich weiter nach Prag und zur Villa Müller von Adolf Loos und von dort aus nach Pilsen. Die Loos Interieurs wurden 2015 im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Pilsen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sind jedoch noch nicht so detailliert publiziert wie andere Bauten von Adolf Loos. Genau deshalb bieten sie sich auch zu Forschungszwecken an. Kunsthistorikerin Magdalena Soukupová und Loos-Experte Karel Zoch ermöglichten mir den Besuch und die umfassende Aufnahme der Interieurs. Als Ergebnis liegen uns nun detaillierte Pläne der noch erhaltenen Räume vor.

Grundriss und Foto des Loos Interieur im Brummel Apartment in Pilsen, Tschechische Republik

Das Erlebnis den Looschen Raum bis ins kleinste Detail aufgenommen zu haben, bildete die Grundlage für die Erarbeitung dessen, was wir von Adolf Loos lernen können. Dazu entwickelte ich fünf Punkte zu Loos – Wohnlichkeit, Wertigkeit, Raumdramaturgie, Raumgrenze und Lichtstimmung. Diese fünf Punkte zeigen auf, wie Adolf Loos auch heute noch Vorbild für Innenarchitekten sein kann.

Ich bin der Meinung: „ Man muss die Vergangenheit und die Arbeit von Adolf Loos kennen, um zukünftige Projekte zu gestalten."
Für die Möglichkeit meine Masterthesis international zu erarbeiten möchte ich dem Studiengang und vor allem Professor Wolfgang Grillitsch und Dr. Ing. Hans-Jürgen Breuning danken.

Theresia Hug, IMIAD Absolventin Sommersemester 2016

Eine Hand voll Loos: didaktisches Prinzip zur Vermittlung der wichtigsten Elemente der Looschen Architektur