Hochschule für Technik
Stuttgart
Schellingstraße 24
D-70174 Stuttgart
T +49 (0)711 8926 0
F +49 (0)711 8926 2666
www.hft-stuttgart.de
info@hft-stuttgart.de

Studentische Projekte

Zwischen-Berg-Nutzung: Temporäre Villa Berg

Nach vielen Jahren der Ungewissheit über ihr Bestehen und ihre Nutzung, ist die Villa Berg aktuell wieder ein Thema an der Hochschule für Technik Stuttgart. Die Fakultät Architektur und Gestaltung arbeitet an verschiedenen Ideen für Nutzungs- sowie Gestaltungskonzepte, um der Villa Berg wieder Leben einzuhauchen. Die früher als Landschloss und später vom SWR genutzte Villa steht seit geraumer Zeit leer und befindet sich in keinem guten Zustand.
Das 3. Semester des Masterstudiengangs Innenarchitektur (IMIAD) beschäftigte sich neben der Aufgabe der Gestaltung eines Beleuchtungskonzeptes für den Pavillon ,,Belvedere‘‘ im Park der Villa mit der Entwicklung eines Zwischennutzungskonzeptes für die Villa Berg. In verschiedenen Gruppen wurden drei unterschiedliche temporäre Nutzungskonzepte ausgearbeitet. Die in einer Art Workshop erarbeiteten Konzepte befassen sich mit den drei Überthemen des Verkaufes, des Wohnens und der Kultur. ^

Das Konzept der „Villa Vintage“ beschreibt die Umnutzung der Villa Berg in ein Flohmarktkaufhaus. Im Kaufhaus werden die Waren nicht wie üblich auf einem Flohmarkt jeweils von Händlern an einem Stand verkauft, sondern sind je nach Art auf die Räume im Gebäude verteilt. Als Besonderheit sind die ehemaligen Sanitärräume der Villa als sogenannte „Verbotene Räume“ umgestaltet. In ihnen befinden sich Funktionen, wie Piercing- und Tattoostudio, Friseur, Spätverkauf und „7 Minuten im Himmel“. Der Charakter dieser Räume soll mit dem Reiz des verbotenen Einsteigens in die Villa spielen. Die Öffnungszeiten dieser Zimmer sowie Informationen zu heimlich stattfindenden Partys sind nur über eine Community im Internet zu erfahren. Dieses Nutzungskonzept sieht vor, den fehlenden Strom wieder neu anzuschließen. Die Stromführung erfolgt durch verschiedenfarbige Elektrokabel, die an eine neu abgehängte Decke aus Maschendraht mittels bunten Kabelbindern befestigt werden. Die Anbringung ist dadurch flexibel und einfach durch die Händler zu montieren. Da es auf dem Flohmarkt immer darum geht Schnäppchen zu schlagen, ist auch die Materialität simpel, günstig und wiederverwertbar.

Villa Vintage: ein Projekt von Johanna Pander und Sarah Ostrowski


Grundlegende Idee des Wohn-Konzeptes „Villa besetzt“ ist es, das komplette Gebäude mit neuen Funktionen zu belegen. Im Sinne einer Besetzung soll ein großer Schlafraum entwickelt werden, der sich im Sendesaal befindet. Zur Gestaltung des Sendesaals werden baustellentypische Materialien verwendet. Es entsteht ein Gebilde in dem sich sowohl Schlafflächen als auch Aufenthaltsflächen befinden. Anders als bei üblichen Besetzungen, die am Anfang still und heimlich ablaufen, soll die Besetzung der Villa Berg möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Die öffentlichen Räume, die sich zu den Fassaden hin orientieren, werden nicht nur mit unterschiedlichen Funktionen belegt, sondern zusätzlich durch einen Farbcode voneinander getrennt. Dieser betrifft nicht nur die raumbildenden Elemente, sondern auch alle Möbel und Einbauten die sich in diesem Raum befinden. So wird zum Beispiel die ehemalige Lobby zum samtroten Tagescafé. Die Bierbar, ausgerichtet zur Westterrasse, wird beispielsweise mit all ihren Elementen in grün getaucht. Durch die Orientierung dieser farbigen Räume zu den großen Fassadenöffnungen wird von außen die Besetzung schnell ersichtlich. Das Zwischennutzungskonzept soll ein bewusster Kontrast zum Bestand sein. Eine Überspitzung an Farben und Formen, um die Villa zum neuen Hot Spot in Stuttgart zu machen.


Villa besetzt: ein Projekt von Daniela Lemak, Lisa-Marie Pittner und Nathalie Vogt


In der Gruppe ‚Kul-Tour‘ wurde ein Gestaltungskonzept entwickelt, welches eine vollständig flexible Nutzung des alten Bestandes, ohne allzu große Eingriffe in die Architektur, zulässt und einen kulturellen Ort für jedermann aus der Region Stuttgart schafft. In den Monaten April bis September sollen unterschiedliche Veranstaltungen wie Konzerte, Filmabende, Theaterstücke, Modenschauen, Ausstellungen und Mottoparties stattfinden, sowie unter der Woche Lehrveranstaltungen und Freizeitaktivitäten.
Da sich die Villa momentan in einem schlechten Zustand befindet, wurden bei diesem Entwurf nur zwei Räume bespielt: der große Sendesaal sowie dessen Vorraum. Kern des Entwurfs bildet dabei einzig und allein ein bestimmendes Material: die aussortierten Bierbankgarnituren des Cannstatter Wasens, die sich gut als temporäres Material eignen. Diese dominieren im Raum und bilden eine überdimensionale Biergarnituren-Skulptur, welche alle benötigten Funktionen sowie die verschiedenen Bauabschnitte der Villa Berg in einer großen Bar- und Sitzlandschaft miteinander verbindet. Verbunden und stabilisiert werden die  Bierbänke und Biertische durch verschiedene Stecksysteme, indem sie gestapelt, aneinandergereiht, verdreht und mit Schrauben fixiert werden.


Kul-Tour: ein Projekt von Aline Moosmann, Caroline Schatz und Meral Yurdakul

Auch das 4. Semester im Bachelorstudiengang Innenarchitektur hat sich dieses Semester intensiv mit der Villa Berg beschäftigt. Es wurde ein Ausstellungskonzept für alle Villa Berg thematisierten studentischen Arbeiten der Fakultät Architektur und Gestaltung entworfen, welches im Sommer realisiert werden soll. Dort werden auch die drei Zwischennutzungsentwürfe der IMIAD-Studierenden mit Plänen, Modellen und Materialproben ausgestellt sein.