Internationale Workshops

Stuttgart 2010: Atmosphärisch dichte Orte

“Machen Sie sich auf die Suche nach Orten in der Stadt, die durch ihre atmosphärische Dichte beeindrucken.”

Mit dieser ersten Aufgabe startete der IMIAD-Workshop “Constructing atmospheres” 2010 in Stuttgart. Aufgeteilt nach Stadtgebieten spürten die 44 IMIAD-Studenten in kleinen internationalen Teams atmosphärisch aufgeladenen Orte auf. Und dabei gab es manch überraschende Entdeckung: Auch unbekannte Orte wurden ausgewählt, die selbst den Studierenden und Professoren der HFT Stuttgart neu waren. Nach einer anschließenden Diskussion bestimmten die Teams aus den fünf Vorschlägen ihren Favoriten. An diesem besonderen Ort begannen die Studierenden, die Atmosphäre näher zu untersuchen.

Vor allem die Frage, welche Einflüsse die besondere Stimmung eines Ortes prägen und wie diese verändert werden können, stand dabei im Zentrum der Betrachtung. Gemeinsam mit Klaus Mellenthin, einem renommierten Stuttgarter Fotografen, definierten die Teams den besten Standpunkt, um die Atmosphäre des Ortes mit nur einem Bild einzufangen. Nach einem professionellen Briefing durch Klaus Mellenthin und der realistischen Aufnahme vor Ort erfolgten am Computer manipulierte Darstellungen, die ganz gezielt die atmosphärisch aufgeladenen Orte bis ins Surrealistische veränderten: Oft waren es kleine Eingriffe, die große Wirkung zeigten. So wurde aus einem versteckt gelegenen Biomarkt in der Neckarstraße ein labyrinthisch anmutender, tunnelförmiger Raum, den die Studierenden in intensives Rotlicht hüllten. Auch die deutlich wahrnehmbare Atmosphäre der Stille und inneren Einkehr, die sich auf dem Hoppenlau-Friedhof in der Stadtmitte ausbreitet, wurde von den Studierenden mit subtilen Eingriffen verändert.

Mit den atmosphärischen Qualitäten der von Gleisbrücken dominierten Wolframstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs setzte sich ein anderes Team auseinander: Durch wenige Manipulationen und eine fein austarierte Lichtführung entstand hier aus der vielbefahrenen Straße ein beeindruckend umschlossener Raum, der plötzlich zum Theatersaal wurde. Begleitend zur intensiven Beschäftigung mit dem Thema “Atmosphären” standen in Stuttgart auch Fachvorträge auf dem Workshop-Programm: Andrew Holmes, der als Dozent im Master-Studiengang des IMIAD das Fach “Lichtplanung” unterrichtet, sowie Urs Füssler aus Berlin, dessen Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der “Atmosphären” liegt, referierten vor den Studierenden. Zudem erhielten die Workshop-Teilnehmer einige gestalterische Anregungen aus dem Vortrag von Peter Ippolito, dem Büroleiter der international bekannten “ippolitofleitzgroup” aus Stuttgart. Als besonders eindrucksvoll wird allen Teilnehmern auch der Tagesausflug zur Firma vitra nach Weil am Rhein und der Fondation Beyeler in Basel in Erinnerung bleiben. Wenngleich der zweiwöchige Workshop das Thema der “Atmosphären” nicht abschließend behandeln konnte, gab er allen Studierenden viele wertvolle Denkanstöße und Ideen mit auf den Weg.