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Internationale Workshops

Nikosia 2016: Inhabiting Nicosia: Interior Strategies for the public realm

Wer höflich und pünktlich sein will, kommt 20 Minuten zu spät - die Uhren gehen eben anders in Nikosia, der letzten geteilten Hauptstadt Europas. Diese spannende Stadt mit so viel jüngster Geschichte war im September 2016 der Treffpunkt der IMIAD-Studierenden zum alljährlichen internationalen Workshop, diesmal unter dem Titel „Inhabiting Nicosia: Interior Strategies for the Public Realm“. Gastgeber des Workshops war die Istanbul Technical University und der Organisator Prof. Bahadir Numan ließ es sich nicht nehmen die IMIAD Studierenden und Professoren der Partnerhochschulen aus Indien, Belgien, USA, der Schweiz und natürlich die Stuttgarter in sein Geburtsland Zypern einzuladen.

Aufgrund von Spannungen und Unruhen zwischen den Volksgruppen wurde die Insel 1974 in zwei Gebiete unterteilt – einen griechischen Südteil und einen türkischen Nordteil. Eine Pufferzone, die als „Green Line“ bezeichnet wird, separiert die beiden Gebiete und wird von Friedenstruppen der Vereinten Nationen überwacht und verwaltet. Diese „Grüne Linie“ verläuft ebenfalls mitten durch die gemeinsame Hauptstadt Nikosia. Die Straßen, welche dieses Gebiet queren, sind auf beiden Seiten Sackgassen und Enden in der militärischen Sperrzone. Innerhalb der Pufferzone liegt eine Geisterstadt aus zerfallenen Häusern wie sie vor über 40 Jahren verlassen wurden, denn seither hat nur das Militär dort zutritt.

In acht Gruppen haben die Studierenden innerhalb von zehn Tagen unterschiedlichste Konzepte entwickelt, wie man nach einer erhofften Wiedervereinigung der beiden Teile Zyperns die Pufferzone wieder in die Stadt integrieren und somit die Bürgern beider Seiten wiedervereinen kann.

Unter dem Titel „Urban corridors as Interiors” verwandelte z. B. eine Gruppe die verwaiste Pufferzone in einen neuen urbanen Stadtpark, bei dem die Gebäuderuinen in den Park integriert und revitalisiert werden. „Memorials, Commemoration, Interiors“ war das Thema eines anderes Teams, welches mit der Bevölkerung beider Seiten daran arbeitete, wie aus Erinnerung und Versöhnung ein künftiges Mahnmal entstehen könnte. Ebenso entstanden Ideen zu einer medialen Ausstellung über „The Future of Nicosia“ und unterschiedliche Interventionen, um ausgestorbene Stadtteile nahe der Pufferzone wiederzubeleben.

Besonders spannend und herausfordernd war es für die Studierenden, sich im internationalen Team zu organisieren und sich gleichzeitig mit dem sensiblen Thema der Grenzzone zu beschäftigen.  Gleichzeitig konnten sie am eigenen Leib erleben, wie es sich in einer geteilten Stadt leben und arbeiten lässt. Mehrmals täglich mussten bei der Überquerung der Grenze zwischen dem Nord- und Südteil der Stadt die Pässe gezückt werden, die türkischen Studierenden durften den zur EU gehörenden Südteil sogar gar nicht betreten. Die Arbeitsräume für den Workshop waren im Bandabulia, einem alten Bazar im Nordteil der Stadt, mitten im historischen Kern. Zwischen Metzgereien, Gemüsehändlern und freilaufenden Hühnern haben wir hier ein Ambiente vorgefunden, das seinesgleichen sucht.

Frank Brauckhoff, 3. Semester IMIAD, Wintersemester 2016/17
Prof. Wolfgang Grillitsch


Studio @Bandabulia


Präsentation @Bandabulia

Skizze und Plakat "The Greenline" Skizze: Patricia Klier, 3. Semester IMIAD Wintersemester 2016/17


Projekt über die Revitalisierung des Viertel Arabahmet


Projekt "Urban Corridors as Interiors"