Beschreibung

Bachelor-Studiengang Bauphysik (Akustik und Energietechnik)

 

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Die Umsetzung der Klimaschutzziele, steigende Energiekosten, zunehmende Anforderungen an den Schallschutz und erhöhte Behaglichkeitsanforderungen sowie das zunehmende Nachhaltigkeitsbestreben im Bauwesen führen zu immer neuen Herausforderungen an die Gebäude- und Anlagenplanung. Um die zunehmende Komplexität am Bau mit der damit wachsenden Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften insbesondere beim Wärme- und Schallschutz zu decken, bietet die Hochschule für Technik Stuttgart – bundesweit einzigartig– seit dem Wintersemester 1978/79 einen eigenständigen Studiengang Bauphysik an. Um den hohen Ansprüchen moderner Gebäude gerecht zu werden, werden die angehenden Bauphysikerinnen und Bauphysiker praxisnah, interdisziplinär und mit fundiertem naturwissenschaftlichem Know-how ausgebildet.

Der Studiengang Bauphysik an der HFT-Stuttgart hat das Ziel, eine Sonderingenieurin bzw. einen Sonderingenieur für das gesamte Gebiet der Bauphysik auszubilden. Die enge Verzahnung des Studiums mit den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen gewährleistet, dass die Bauphysik ein integriertes Element des Planungs- und Ausführungsprozesses ist. Die Bauphysik ist nicht nur eine reine Anwendung der Physik auf Bauwerke und Gebäude, sondern erfasst auch Bereiche der technischen Akustik in der Industrie, die Einbindung regenerativer Energiekonzepte zum Schutz der Umwelt sowie den Schallimmissionsschutz in der städtebaulichen Planung. Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Bauphysik finden daher nicht nur im Bausektor ihre Anerkennung, sondern in allen Bereichen die thermische, feuchtetechnische oder akustische Untersuchungen erfordern. Exemplarisch ist hier die Fahrzeugindustrie zu nennen, die vor allem für die Analyse klimatischer Situationen in Fahrzeuginnenräumen, für Schwingungsanalysen von Fahrwerk und Motoren oder im "Sound Design" Absolventinnen und Absolventen der Bauphysik für sich entdeckt hat.

Erstmalig ab dem Wintersemester 2005/06 wird das Studium der Bauphysik mit dem Abschluss "Bachelor of Engineering" angeboten.

Der Studiengang Bauphysik wurde vom Akkreditierungsrat für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik (ASIIN) erfolgreich akkreditiert. Somit erfüllt der Studiengang Bauphysik die hohen qualitativen Anforderungen im neuen zweistufigen europäischen Ausbildungssystem an Hochschulen und Universitäten.

 

Ausbildungsschwerpunkte <<

Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Bauphysik sollen die Bereiche der Technischen Physik abdecken, die zur Beurteilung der baulichen Schutzfunktionen benötigt werden. Das Vorgehen für die Berechnung und Dimensionierung bauphysikalischer Maßnahmen setzt eine fundierte naturwissenschaftliche Analyse voraus und erfordert den Einsatz komplexer physikalischer Messtechniken und computerunterstützter Modellsimulationen. Durch zahlreiche Forschungsvorhaben im Studiengang werden aktuelle Themen aus Forschung und Entwicklung praxisnah ins Studium eingebunden.

Die Ausbildungsschwerpunkte umfassen im Einzelnen:

  • Grundlagen Physik: Elektroakustik, Thermodynamik, Mechanik und Messtechnik
  • Grundlagen Bauphysik: Akustik, Energieeffizienz und Feuchtetransport
  • Laborarbeiten: Praxisbezogene Übungen im Physik- und Bauphysiklabor
  • Integrale Planung: Bauphysikalisches Entwerfen unter Berücksichtigung der Disziplinen aus den Bereichen Schall-, Feuchte und Wärmeschutz einschließlich der Energie- und Anlagentechnik, Brandschutzplanung
  • Angewandte Mathematik: Signalanalyse, Betrachtung dynamischer Systeme, mathematische Modellbildung, Simulation komplexer Systeme, Datenanalyse, Datenmanagement, Programmiertools
  • Bau- und gebäudetechnische Fächer: Baustofftechnologien, Baukonstruktion, Bauchemie
  • Thermische Bauphysik: Energetisch- wirtschaftliche Optimierungsstrategien, klimagerechtes Bauen, Sanierungskonzepte, Bauwerkserhaltung, Gutachtenerstellung
  • Energietechnik: Wärmeversorgungssysteme, angewandte Thermodynamik, erneuerbare Energien, KlimaEngineering, Anlagensimulationen, Energiekonzepte, Licht- und Tageslichttechnik
  • Akustik/Schallschutz: Bauakustik, Verkehrs- Industrie- und Gewerbelärm, akustische Messverfahren, Sanierungskonzepte, Gutachtenerstellung
  • Technische Akustik: Körperschall (innovativer Lärmschutz)
  • Raum- und Psychoakustik: Computergestützte Raumakustikplanung, Psychoakustik und Psychophysik
  • Theoretische Bauphysik: Modellierung hygrothermischer und akustischer Systeme
  • Vertiefungsfächer: Schallimmissionsschutz, Licht- und Solartechnik, Technischer Lärmschutz, akustische Messtechniken (Laborübungen), thermische Gebäudesimulation, solares Heizen und Kühlen
  • Berufsstandvorbereitende Fächer: Wirtschaft und Nachhaltigkeit, Projektmanagement, Bau-, Energie- und Umweltrecht, schriftliche Kommunikation, Betriebspsychologie (Wahrnehmungsmodelle, Teamarbeit, Zeitmanagement), Lern- und Präsentationstechniken, Fremdsprachen

 

Fachgebiete <<

Unter dem Begriff Bauphysik versteht man die physikalischen Transportphänomene und Schutzmechanismen am Bau, d.h. im Inneren von Räumen, in Bauteilen, in der Umgebung von Bauwerken und in deren städtischem Verbund. Charakterisiert durch den jeweils zugrunde liegenden physikalischen Mechanismus und dessen messtechnische Erfassung gliedert sich das Fachgebiet Bauphysik in die folgenden Disziplinen:

  • Wärme: Wärmeschutz der Gebäude aus Gründen der Behaglichkeit und der Energieeinsparung sowie zur Vermeidung thermischer Schäden und Verformungen
  • Feuchte: Feuchtigkeitsschutz der Baustoffe und Bauteile sowie deren baukonstruktiver Funktion gegen gefährdende Angriffe der Wasserdampfdiffusion mit Tauwasserbildung, des Schlagregens, der Erdfeuchte und durch drückendes und druckloses Wasser
  • Schall: Luft- und Trittschallschutz im Wohn- und Arbeitsbereich, Schallimmissionsschutz gegen Lärm von Straße und Schiene sowie gegen Fluglärm. Technische Akustik mit Lärmschutz gegen Anlagen- und Installationsgeräusche. Schwingungs- und Erschütterungsschutz. Raum- und Psychoakustik zur raumakustischen Gestaltung für eine – je nach Anforderung – optimale Hörbarkeit sowie Maßnahmen zum „Sound Design“
  • Energie: Ökonomische und ökologische Energieversorgung von Gebäuden durch optimalen winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz einschließlich der Anwendung regenerativer Energietechniken, besonders der aktiven und passiven Solarenergienutzung und der Nutzung von Umweltwärme
  • Licht: Tages- und Kunstlichtbeleuchtung inklusive dem baulichen Sonnenschutz entsprechend der Nutzungsanforderungen für einen hohen Arbeits- und Wohnkomfort bei optimiertem Energieaufwand,
  • Brand: Brandschutz des Bauwerks und der Sachwerte, der Schutz des Lebens und der Gesundheit im Brandfall durch Anforderungen an die Brennbarkeit, Feuerwiderstandsdauer und Toxizität,
  • Bauschadenanalyse: Bauschadenanalyse und Sanierung unter Einbeziehung physikalischer Messtechniken und computerunterstützter Modellsimulationen

 

Vertiefungsfächer <<

Die Wahlpflichtfächer ermöglichen es, das Wissen in bestimmten Richtungen zu vertiefen. So werden im Bereich der thermischen Bauphysik Fächer zur Projektierung von Heizung- und Klimatechnik, zur regenerativen Energietechnik, zum solarem Heizen und Kühlen und zur thermischen Gebäudesimulation angeboten. Themenschwerpunkte im Bereich der Akustik sind: Technische Akustik mit Körperschall (inklusive Fahrzeuge), akustische Messtechnik mit Laborübungen und haustechnische Anlagen.

 

Laborarbeit <<

Zum gründlichen Verständnis der Bauphysik sind gute Kenntnisse der Mathematik und der allgemeinen Experimentalphysik erforderlich. Verständnis für die Physik lässt sich jedoch nur aneignen, wenn neben der Theorie auch experimentelle Kenntnisse vorhanden sind. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums sind daher die Laborübungen im Physiklabor in denen die Grundlagen der Messtechnik und die kritische Analyse von Messungen geübt werden. In unserem modernen Bauphysik-Laborgebäude werden praxisnah die schall-, wärme- und feuchtigkeitstechnischen Eigenschaften von Baustoffen und Bauteilen untersucht und normgerecht analysiert.

 

Betreutes Praktisches Studienprojekt (BPS) <<

Das Betreute Praktische Studienprojekt während des fünften Semesters gewährleistet in ganz besonderem Maße die Konfrontation der Studierenden mit praktischen bauphysikalischen Problemstellungen sowie neuer Untersuchungs- und Messmethoden. Sie lernen ihr Wissen in der Praxis zu testen und zu vertiefen. Geeigneten Stellen für diesen Ausbildungsabschnitt sind Ingenieurbüros, bauphysikalische Institute und Labore, Architekturbüros, Baubehörden oder in der Industrie.

Die Studierenden können dort die Lehrinhalte der Studiensemester erproben und ergänzen, die Planungs- und Realisierungsabläufe kennenlernen, Erfahrungen im Umgang mit den am Planungs- und Bauablauf Beteiligten sammeln und die Arbeit im Team üben. Für die Studierenden sind die externen Studienprojekte eine wichtige Entscheidungshilfe zum Erkennen der persönlichen Studienschwerpunkte. Sie bringen die ersten Berufskontakte. Für das Lehrpersonal ermöglicht das praktische Studiensemester eine ständige Überprüfung der Aktualität der
Studieninhalte und gibt neue Impulse. Die enge Verzahnung des Studiums mit den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen gewährleistet, dass die Bauphysik ein integriertes Element des Planungs- und Ausführungsprozesses ist. Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Bauphysik finden als Sonderingenieurinnen und Sonderingenieure nicht nur am Bau ihre Anerkennung, sondern auch auf Gebieten der Gebäudetechnik oder in der Automobilindustrie.

 

Bachelor-Thesis <<

Die Bachelor-Prüfung bildet den berufsqualifizierenden Abschluss des Bachelorstudienganges. Durch die Bachelor-Prüfung wird festgestellt, ob die Zusammenhänge des Faches überblickt werden, die Fähigkeit vorhanden ist, wissenschaftliche bzw. gestalterische Methoden und Erkenntnisse anzuwenden, und die für den Übergang in die Berufspraxis notwendigen Fachkenntnisse erworben wurden. Die Arbeit soll sich nicht darauf beschränken, Routineverfahren und Standardlösungen anzuwenden. Die Bachelor-Thesis soll zeigen, dass die Studierende bzw. der Studierende sich in eine ihr bzw. ihm gestellte bauphysikalische Aufgabenstellung einarbeiten, zur Lösung einen Beitrag leisten und diesen darstellen kann. Oft werden die Studierenden während ihrer Bachelor-Arbeit in laufende Forschungsprojekte eingebunden, um dort Teilaufgaben zu übernehmen oder interessante Nebenaspekte zu untersuchen.

Allgemeine Informationen zur Anfertigung der Bachelor-Thesis

 

Berufsaussichten <<

Viele unserer Absolventen haben direkt nach Beendigung des Studiums einen Arbeitsplatz. Nahezu 100% sind nach kurzer Zeit in einem ansprechenden Arbeitsverhältnis.

Aufgrund der vielseitigen Einsatzbereiche finden Bauphysikerinnen und Bauphysiker leicht ihre Anstellung in Bauphysikbüros, in größeren Architektur- oder Baubüros, in Forschungsinstituten und Materialprüfungsanstalten, in den Hochbauverwaltungen von Städten, Gemeinden und Kommunen, als Prüf- und Entwicklungsingenieur in der Baustoff- und Fertigteilindustrie sowie in industriellen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.

Aufgabengebiete wie die Erstellung von bauphysikalischen Nachweisen und Gutachten, die Analyse von Bauschäden und die Durchführung von bauphysikalischen Berechnungen zur Diskussionsgrundlage für beratende Tätigkeiten mit Architekten, Bauherren oder Technikplanern bilden nur einen Teil der beruflichen Anforderungen ab.

So ist ein weiteres Aufgabengebiet die kommunale Energieberatung. Die Tätigkeiten umfassen hierbei energetische Beratungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Planungen zum energiesparenden Wärmeschutz, zur Energieversorgung sowie zur Nachhaltigkeit.

Die breitgefächerte Ausbildung im Bereich des baulichen Lärm- und Schallschutzes, der Raum- und Psychoakustik sowie im technischen Lärmschutz ist in dieser Form einzigartig im Bundesgebiet. Den Absolventen bieten sich daher nicht nur sehr gute Berufsaussichten in den klassischen Gebieten der Bauphysik, sondern zunehmend auch auf unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern wie zum Beispiel in der technischen Akustik in der Fahrzeugindustrie.

Viele der Absolventinnen und Absolventen sind nach einigen Jahren der Berufserfahrung selbstständig geworden und führen inzwischen kleine bis mittlere Bauphysikbüros im gesamten Bundesgebiet.

 

Weiterqualifizierung (Masterstudium oder Promotion) <<

Für wissenschaftlich interessierte Bauphysikabsolventinnen und -absolventen ist ein Weiterstudium an in- und ausländischen Hochschulen möglich. Im Bereich der erneuerbaren Energien bietet die HFT Stuttgart den Master-Studiengang „Sustainable Energy Competence“ (SENCE) an. Weitere Qualifikationen wie Master- (M.Sc.) oder Doktorgrad (Ph.D.) sind zum Beispiel in England an der Universität Southampton (Institute of Sound and Vibration Research), an der De Montfort University Leicester oder an der Universität Liverpool (School of the Built Environment) möglich.