Aufgabe einer Schwerbehindertenvertretung ist es, die Eingliederung von schwerbehinderten Bewerberinnen und Bewerbern in einem Betrieb zu fördern, die Interessen der im Betrieb beschäftigten Schwerbehinderten zu vertreten und helfend zur Seite zu stehen – sowohl jedem Einzelnen wie auch in der Gemeinschaft der Schwerbehinderten insgesamt. Dass wir alle Angelegenheiten persönlicher Art (im Rahmen der Arbeit in der Schwerbehindertenvertretung) vertraulich behandeln, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Eine Zusammenarbeit findet hierbei auf mehreren Ebenen statt: Partner der Schwerbehindertenvertretung sind sowohl der Arbeitgeber über seine Beauftragte bzw. seinen Beauftragten für Schwerbehindertenfragen wie auch der Personalrat und die Gleichstellungsbeauftragte sowie die Frauenvertreterin.

Auch der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg steht Ihnen jederzeit für eine Kontaktaufnahme zur Verfügung. Die Hauptverwaltung befindet sich mit ihrer Hausanschrift in der Lindenspürstr. 39, 70176 Stuttgart. Bitte beachten Sie, dass Sie schriftliche Anfragen an folgende Postanschrift richten: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, Postfach 10 60 22 in 70049 Stuttgart (Telefon +49 711 6375 0).

Kontaktinformationen
+49 711 8926 2564

Wir sind Ihr Ansprechpartner für:

  • Schwerbehinderte/Gleichgestellte, die sich für eine Tätigkeit an der HFT Stuttgart bewerben möchten
  • Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der HFT Stuttgart
  • Alle behinderten oder chronisch kranken Studierenden der Hochschule
Schwerbehindertenvertretung

Behinderte oder chronisch kranke Studierende können sich selbstverständlich auch jederzeit an das Studierendenwerk Stuttgart wenden sowie an die Studienberatung an der HFT Stuttgart.

Weitere Informationen zum Studieren mit Behinderung oder chronischer Erkrankung finden Sie hier:

www.kvjs.de

www.mentoring-projekt.de

www.pfennigparade.de

 

Studieren unter erschwerten Bedingungen

Umsetzung chancengerechter Studienbedingungen an der HFT Stuttgart – ein Beispiel

In der UN-Behindertenrechtskonvention haben sich die Vertragsstaaten darauf geeinigt, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung einen gleichberechtigten Zugang zu einer allgemeinen Hochschulausbildung haben sollen. Das formulierte Ziel, Menschen mit Behinderungen chancengerechte Zugangsbedingungen zu verschaffen, ist wahrscheinlich einfacher umzusetzen als das zusätzlich formulierte Ziel chancengerechter Studienbedingungen. Denn was erwartet Studierende mit Einschränkungen an Hochschulen (und nicht nur dort!)? Bauliche, kommunikative, strukturelle und didaktische Barrieren. Sie treffen beeinträchtigte Studierenden besonders hart, oftmals so sehr, dass sie das Studium abbrechen müssen. Nicht so bei Roman Dyschel, der im Wintersemester 2014/15 im Förderprogramm Semester 1+ sein Informatik-Studium an unserer Hochschule aufgenommen und es im Februar 2020 erfolgreich beendet hat.

Roman Dyschel hat Asperger Autismus. Er wurde während seines Informatik-Studiums an der HFT Stuttgart intensiv von Studiendekan Prof. Dr. Alexander Rausch betreut. Wenn man Dyschel begegnet, sieht man einen großgewachsenen jungen Mann, dem man seine Einschränkung nicht sofort ansieht, sagt Rausch. Roman Dyschel ist in der Welt der Zahlen zu Hause. Seine besonderen Stärken liegen im logisch-analytischen, strukturierten und schematischen Denken und Handeln. Probleme, die auf der Behinderung basieren, werden erst dann offensichtlich, wenn es um soziale Interaktionen und Empathie geht. Roman Dyschel selbst schreibt, er habe „eine verzögerte Entwicklung der Selbstständigkeit“. Dem würde Studiendekan Alexander Rausch so nicht zustimmen. Er habe selten, sagt Rausch, einen so disziplinierten und absolut zuverlässigen Studenten gehabt. Dyschel hat von Anfang an das Gespräch mit ihm gesucht und mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit die Basis für gegenseitiges Vertrauen geschaffen. „Roman Dyschel sagte mir im ersten Gespräch, dass er aufgrund seiner Schwerbehinderung mit geringerem Tempo studieren wird. Ich antwortete ihm, dass die unvermeidbaren Modulverschiebungen immer eine persönliche Beratung für einen individuellen Stundenplan im Folgesemester nach sich ziehen. Ich musste nur einmal darum bitten, dass Herr Dyschel zu Semesterbeginn unaufgefordert in die Studienberatung kommt. In wirklich jedem Semester hat er sich ohne weitere Aufforderung beraten lassen.“ Kurz: Roman Dyschel hat sich an der HFT Stuttgart Hilfe gesucht und diese auch erhalten.

Problem für Menschen mit Einschränkungen: einen Platz für das Betreute Praktische Studienprojekt zu finden

Schwierig wurde es, als Roman Dyschel einen Platz für das Betreute Praktische Studienprojekt, kurz BPS, benötigte. Schnell wurde deutlich, dass hier besondere Unterstützung erforderlich war. Viele Firmen enttäuschten während des Bewerbungsprozesses. „Etliche große Unternehmen in der Umgebung, die sich die Teilhabe behinderter Menschen auf die Fahnen schreiben, lehnten die Bewerbung ab. Das war sehr frustrierend, nicht nur für Roman Dyschel, sondern auch für mich persönlich“, bilanziert Rausch. An der Bewerbung selbst kann es nicht gelegen haben, denn hier erhielt Roman Dyschel professionelle Unterstützung von Desiree Behrens.

Desiree Behrens ist als HR-Managerin in Stuttgart tätig und führt seit gut fünf Jahren an Hochschulen Bewerbungscoaching für Studierende durch, so auch an der HFT Stuttgart. Roman Dyschel kam gleich nach der ersten Stunde auf sie zu, erinnert sich Behrens. „Er hat sofort ganz offen seine Schwierigkeiten im sozialen Kontakt benannt, was auf jeden Fall in Vorstellungsgesprächen zu Problemen führen würde. Aber Roman Dyschel war auch unsicher, ob und inwieweit er seine Einschränkung überhaupt in einem Bewerbungsschreiben ansprechen soll. Wenn es nach ihm selbst gegangen wäre, wäre er gerne mit der Tür ins Haus gefallen. Wir haben uns dann auf einen anderen Weg geeinigt: Er hat sich wie alle anderen Studierenden beworben, aber den Hinweis aufgenommen, dass im Bewerbungsgespräch sicher auffallen würde, dass er besonders sei.“, blickt Behrens auf die Zeit zurück. Aber damit war es nicht getan: Auch die Vorstellungsgespräche sowie Telefoninterviews mussten geübt werden. Stück für Stück haben die beiden diese Situation erarbeitet. Mit der Standardfrage in jedem Bewerbungsgespräch „Erzählen Sie uns doch mal von sich“, das zur Auflockerung der Situation dienen soll, war Dyschel aufgrund seiner autistischen Einschränkung am Anfang des Trainings relativ überfordert. Doch auch das wurde von den beiden Stück für Stück trainiert. Natürlich ging diese intensive Betreuung weit über den Rahmen dessen hinaus, was für Studierende generell vorgesehen ist. Noch heute lobt Alexander Rausch die Bereitschaft von Rektor Rainer Franke, weitere finanzielle Mittel für die Unterstützung von Roman Dyschel zur Verfügung zu stellen, die den intensiven Einsatz von Desiree Behrens erst möglich gemacht haben.

Es hat sich gelohnt: Nach mehreren Monaten Wartezeit hatte Roman Dyschel gleich zwei BPS-Angebote: Bei John Deere in Mannheim stand das Vorstellungsgespräch mit guter Aussicht auf eine Zusage vor der Tür und beim SWR in Stuttgart gab es bereits eine Zusage – und stand vor der Qual der Wahl. Er hat sich für den SWR entschieden und im Bereich der IT-Infrastruktur gearbeitet. Eine gute Entscheidung, denn auch seine Bachelor-Arbeit fertigte Dyschel beim SWR an.

„Mir war von Anfang an klar, dass ich für mein gesamtes Studium auf Unterstützung angewiesen sein werde. Es macht mir nichts aus, um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen. Prof. Dr. Rausch hat jedes Semester mit mir abgeklärt, welche Vorlesungen ich besuchen, welche Leistungsnachweise, Prüfungen, Hausarbeiten oder Projekte ich machen soll, welche Module ich wann machen kann, um rechtzeitig das Semester und mein Studium zu beenden. Sehr geholfen hat mir auch die Studienberatungberatung durch Herr Steinhilber, der mir bei organisatorischen Fragen eine große Hilfe war. Eine weitere Stütze während des Bewerbungsverfahrens war mir Frau Behrens, die mir im Bewerbertraining in kleinen Studiengruppen, aber natürlich vor allem durch die anschließende individuelle Betreuung und Begleitung im Bewerbungsprozess, sehr geholfen und mir viel Sicherheit gegeben hat. Sie alle haben dazu beigetragen, dass ich mein Studium im Februar 2020 erfolgreich abschließen konnte.“, resümiert Dyschel. Und dann kam Corona …

Erfolgreicher Einstieg ins Berufsleben

Doch Roman Dyschels Bewerbungen stehen unter einem guten Stern: Nach 6-monatiger Suche nach einem Arbeitssplatz, die aufgrund seiner autistischen Behinderung, aber auch wegen Corona doppelt so schwer war, verkündet Dyschel nun einen Durchbruch: „Ich habe eine Stelle als IT-Spezialist für Fahrplandaten bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg in Stuttgart gefunden. Am 1. Oktober werde ich dort anfangen.“ Eine Nachricht, die Alexander Rausch und viele andere Menschen an der HFT Stuttgart mit großer Freude und – zu Recht – mit Stolz erfüllt.

Autorin: Michaela Leipersberger-Linder

Wir haben auf große Worte verzichtet und sind stattdessen viele kleine Schritte gemeinsam und erfolgreich gegangen.