Die Stahlstehlen von Bildhauer Klaus Wagner wurde im Mai 2004 vor dem Haupteingang der Hochschule in Richtung Stadtgarten enthüllt. Gestiftet anlässlich der Ernennung zum Ehrensenator von Dipl.-Ing. Walter Sorg (FH).

Das Werk

Die allseitige Plastik besteht aus vier roten, hoch aufragenden und scheinbar lose im Raum gruppierte Stahlstelen. Zwei der Stelen stehen sich im Abstand von einem Meter mit ihrer Breitseite gegenüber. Eine dritte Stele bildet mit diesen im Abstand von einem halben Meter ein gleichschenkliges Dreieck und ist in ihrer Ausrichtung um 90 Grad gedreht. Die vierte Stele ist dieser gegenübergestellt, aber axial um einen Meter verschoben. Zudem steht sie gut zwei Meter von der Dreiergruppe entfernt.

Die Anordnung und „Beziehung“ der Stelen zueinander verändern sich mit dem Betrachtungsstandort und dem daraus resultierenden unterschiedlichen Abstand und Blickwinkel. So sind mal nur drei der Stelen zu sehen, mal erscheinen die vier im gleichen Abstand aufgereiht, mal halbkreisförmig aufgestellt, mal als eng beieinanderstehende und zugewandte Gruppe. 

Dr. Ute Schönfeld-Dörrfuß

Klaus Wagners Objekte sind von einer strengen minimalistischen Geometrie geprägt, der bei aller Abstraktion etwas Personifizierendes innewohnt. Es sind hoch aufgestreckte geradlinige Körper, die in den Raum hineinwirken. Sie stehen standfest und selbstbewusst in der Landschaft. Die Objekte präsentieren sich abwartend, beobachtend, bewachend und aufmerksam. […]

Jede Stele besteht aus zwei rechteckigen Hohlraumrohren, die an mindestens drei Stellen querverbunden und im Boden verankert sind. Die Rohre messen sechs mal zehn Zentimeter im Querschnitt, stehen mit zwei Zentimeter Abstand zueinander und ragen mehr als vier Meter in die Höhe. Die Kanten der Rohre sind im kleinen Winkel abgerundet, was das harte, schwere Material in der haptischen Wahrnehmung angenehmer macht. Auch die Umgebungstemperatur, an die sich der Stahl anpasst und je nach dem kalt oder warm anfühlt, verändert diese Wahrnehmung. 

Mit einem flüchtigen Blick sehen alle Stelen gleich aus. Beim Umschreiten und Hinsehen zeigen sie jedoch eine individuelle Gestaltung, die durch unterschiedlich viele und dicke Querverbindungen gebildet wird. Aus dem schmalen Zwischenraum der Rohre entstehen so kleine „Durchblicke“, lange „Öffnungen“ oder „Einschnitte“.

Die Stele an der Zuwegung zum Eingang weist eine Querverbindung am Boden und zwei am oberen Ende auf, sodass am Kopf ein kleines, quadratisches Guckloch zu erkennen ist. Durch das aufgrund der Höhe jedoch niemand hindurchsehen kann. Die dem Stadtgarten zugewandte Stele hat insgesamt zehn Riegel, die den mittigen Zwischenraum in eine lange Öffnung in Bodennähe und acht kleine Öffnungen im oberen Bereich unterteilen. Dadurch entsteht ein gleichmäßiges Wechselspiel von Durchblicken und geschlossen Flächen. Die dem Hauptgebäude zugewandte Stele wird mit zwei zur Mitte orientierten Riegeln und einem am Boden verbunden. Entgegen den drei anderen Stelen ist diese am oberen Ende offen und die drei Einschnitte nehmen in ihrer Länge von unten nach oben hin ab. Der Zwischenraum der vierten Stele wird mit fünf Querverbindungen in vier lange Durchblicke unterteilt.

Durch den kräftig roten Farbüberzug hebt sich das Werk mit seinen schlanken Vertikalen in der heterogenen, an Farben, Formen, Objekten überfrachteten Umgebung des Stadtgartens dennoch hervor. Die Stelen-Gruppe weist weithin sichtbar den Weg zum Eingang und bildet eine Art „Empfangskomitee“. Die Farbe Rot fängt den Blick und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Mit ihr werden aber auch körperliche Assoziationen wie Blut, Fleisch, Vitalität, Lebendigkeit und Wärme verbunden. Es liegt daher nahe, in den zweigliedrigen, aufragenden Stelen menschliche Figuren zu lesen. Figuren, die aufgrund ihrer Materialität, Gestaltung und buchstäblichen Bodenverbundenheit Kraft, Ruhe und Beständigkeit ausstrahlen. – Auffallende, aber unaufgeregte Wächterfiguren, die auf die Hochschule und ihre Angehörigen Acht geben sowie ihren Gästen den Weg weisen und diese willkommen heißen. 

Der Künstler

Klaus Wagner (1956 Böblingen – 2005 Stuttgart)

Der gelernte Stahlbauschlosser und Sozialpädagoge widmete sich seit Anfang der 1970er Jahre der freien künstlerischen Arbeit, bei der er die Materialien Stahl und Eisen bevorzugte und den Schwerpunkt auf die Stahlbildhauerei legte. Als Gaststudent an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart erweiterte er seine Kenntnisse und Fähigkeiten.

Ab 1978 war Klaus Wagner Mitglied des Kunstvereins Böblingen und an mehreren Ausstellungen sowie Projekten im öffentlichen Raum wie die Aktion Bahnsteig 95 (1995) oder Köpfe am Korber Kopf (2007/2008) beteiligt. Auf diesem Skulpturen-Rundweg wurde an Klaus Wagner mit der Präsentation seiner bereits 1993 entstandenen Stahl-Glas-Plastik Blauquadrat erinnert, die in ihrer Form den vier Stelen an der HFT ähnlich ist.

Anfang der 1980er Jahre wurde Klaus Wagner Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendwerkstatt des späteren Werkstatthaus Stuttgart. Hier leitete er bis zu seinem Tode die Bildhauerei-Werkstatt.

Der Stifter

Walter Sorg (1930 Biberach – 2022 Stuttgart)

Bereits als Kind lernte Walter Sorg in der großväterlichen Wagnerwerkstatt den Umgang mit dem Material Holz. Später führten eine Maurer- und Zimmermannslehre sowie die Mitarbeit im Büro von Max Fürst zum Beruf des Architekten. Neben seinem Onkel Max waren die beiden Stuttgarter Architekten Paul Stohrer (1909-1975), Professor für Entwerfen und Innenraumgestaltung, sowie Hans Eitel (1906-1991), in dessen Büro Sorg während des Studiums arbeitete, prägend für seine Ausbildung. 

Im Verlauf der Mitarbeit in Stohrers Büro traf Sorg auf Walter Pfaff, mit dem er ab Mitte der 1950er Jahre gemeinsam Bauwerke realisierte. Diese Partnerschaft bestand bis zur Gründung des Architekturbüros Sorg (heute SFP Architekten GmbH) im Jahr 1962. 

Sorg war langjähriges und aktives Mitglied des Vereins „Freunde der Hochschule für Technik Stuttgart e.V.“, ab 1993 als Schriftführer und von 2000 bis 2003 als 1. Vorsitzender. Im Jahr 2006 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Mit der Stiftung des Werks von Klaus Wagner hinterließ Walter Sorg ein sichtbares und bleibendes Zeichen.