Berühmte Absolventen

Bild Tagblattturm Tagblatt-Turm Stuttgart von Ernst Otto Osswald (Foto: Stuttgart Marketing)

Paul Stohrer (1909–1975)

Paul Stohrer studierte bis 1934 an der Staatlichen Höheren Bauschule Stuttgart, wie die HFT Stuttgart nach dem 1. Weltkrieg hieß, Architektur, später auch nochmals an der Technischen Hochschule.

Bereits während seines Studiums war er Mitarbeiter beim Stuttgarter Architekten Paul Gebhardt und gründete 1935 ein eigenes Architekturbüro. In der Nachkriegszeit zählte er zu den prominentesten und erfolgreichsten Architekten Süddeutschlands. Er erhielt zahlreiche Aufträge für den Wiederaufbau kriegsgeschädigter Theater und Kinosäle und war auch für den Bau des heutigen Stuttgarter Rathauses verantwortlich, zusammen mit Hans-Paul Schmohl. Einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bildeten Wohnhausentwürfe, die allesamt eine individuelle Grundrissgestaltung aufweisen, sowie Büro- und Geschäftshäuser. 1963 erhielt er den Paul-Bonatz-Preis für sein eigenes Büro- und Wohnhaus Stohrer in Stuttgart.

1959 wurde Paul Stohrer an die Staatsbauschule Stuttgart berufen. Als Professor für Entwerfen und Innenraumgestaltung begeisterte er mit seiner unkonventionellen Art des Lehrens Generationen von Studierenden. Dabei verstand er Architektur nicht nur als eine künstlerische Aufgabe, sondern war zugleich auch Künstler im engeren Sinn und widmete sich Zeit seines Lebens der Malerei. Von 1959 bis 1972 war er Mitglied der malenden Architektengruppe „ligne et couleur“ mit Sitz in Paris und Stuttgart.

 

Karl Beer (1886-1965)

Karl Beer wurde in Ulm als Sohn eines Zimmermeisters geboren. Im elterlichen Betrieb absolvierte er eine Lehre als Zimmermann, bevor er an der Baugewerkeschule, der heutigen Hochschule für Technik Stuttgart, sein Studium aufnahm und dies 1910 abschloss. Bis 1915 arbeite er zunächst im Architekturbüro seines Professors Clemens Hummel, unter anderem am Bau des Rathauses in Obertürkheim. Danach gründete er die Architektengemeinschaft Pfeiffer-Beer, die bis 1920 bestand. Ab 1921 arbeitete er als freier Architekt, sein Schwerpunkt lag im Bereich des genossenschaftlichen Wohnbaus, insbesondere im Auftrag des „Bau- und Heimstättenvereins Stuttgart“. Zu seinen Bauten im Raum Stuttgart gehören die Siedlung Schönblick mit dem Höhenrestaurant und dem achtgeschossigen Wohnturm auf dem Killesberg, direkt neben der Weißenhofsiedlung, sowie weitere Siedlungen am Westbahnhof, in Gaisburg, Cannstatt, Ostheim und Gablenberg, damals Hochburgen des Arbeitersiedlungsbaus.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Karl Beer als Gemeinderat der SPD das Betreten des Stuttgarter Rathauses verboten, im Mai 1933 wurde er sogar für vier Monate in „Schutzhaft“ genommen. 1935 konnte er aufgrund seiner Schweizer Abstammung mit seiner Familie in die Schweiz übersiedeln. Dort fasste er ab 1937 als Architekt wieder Fuß und baute in Zürich, Luzern und Bern erneut für Wohnbaugenossenschaften, aber auch Fabrik- und Verwaltungsgebäude.

Im Jahr 1960 richtete er nochmals ein Büro in Stuttgart ein, blieb jedoch in der Schweiz wohnen. In dieser Zeit entstanden Wohngebäude für die Stuttgarter Wohn- und Siedlungsgesellschaft in Heumaden und Hedelfingen.

 

Hellmuth Hirth (1886–1938)

Der gelernte Mechaniker aus Heilbronn besuchte ab 1906 die Königlich Württembergische Baugewerkeschule und gilt heute als Flugpionier, Flugzeug- und Flugmotorenkonstrukteur. Er gründete das Unternehmen Versuchsbau Hellmuth Hirth, in dem Zweitaktmotoren entwickelt wurde und in das bald Herrmann Mahle eintrat. Später wurde der Versuchsbau von den Brüdern Hermann und Ernst Mahle übernommen, die daraus den Mahle Konzern gründeten. Hellmuth Hirth verschrieb sich weiterhin dem Flugzeugbau und gründete 1931 die „Hirth-Motoren GmbH“ in Stuttgart-Zuffenhausen.

 

Ernst Otto Osswald (1880–1960)

Der gebürtige Stuttgarter lernte zuerst Steinmetz und ging auf Wanderschaft, bevor er die Königlich Württembergische Baugewerkeschule besuchte und sich zum Architekten ausbilden ließ.

Sein berühmtestes Bauwerk ist der Stuttgarter Tagblattturm, der zwischen 1924 und 1928 als erstes Stahlbeton-Hochhaus Deutschlands und als erstes Sichtbeton-Hochhaus der Welt in den Himmel gebaut wurde. Damit hat Osswald ein hochrangiges architektonisches und stadtgeschichtliches Denkmal geschaffen.

 

Ludwig Dürr (1878–1956)

Ludwig Dürr studierte nach einer Lehre zum Mechaniker in den 1890er Jahren an der Fachschule für Maschinenbauer der Königlich Württembergischen Baugewerkeschule*. Es folgte eine Anstellung in den technischen Büros der königlichen Eisenbahninspektion in Aalen/Württemberg. 1898 trat er als Ingenieur in das Konstruktionsbüro des Grafen Zeppelin ein und war in Friedrichshafen an der Konstruktion des ersten Luftschiffs LZ1 beteiligt. Von 1901 bis 1945 war er als Pionier der Leichtbauweise Chefkonstrukteur für Luftschiffe. 1913 wurde er technischer Direktor der zwischenzeitlich entstandenen Firma „Luftschiffbau Zeppelin“. Er entwickelte unter anderem heute noch gültige Bauelemente für die Leichtmetall-Konstruktion von Luftfahrzeugen und verfeinerte viele technische Elemente der Luftschifffahrt.

Ludwig Dürr erhielt 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, außerdem ist er Ehrenbürger der Städte Friedrichshafen und Echterdingen.

*1912 wurde dieser Studienbereich als eigene Maschinenbauschule nach Esslingen verlegt.

 

Albert Benz (1877–1944 verschollen, 1959 für tot erklärt)

Der deutsche Architekt und Denkmalpfleger Albert Benz wurde 1877 in Esslingen geboren. Von 1892 bis 1897 studierte er an der Königlichen Württembergischen Baugewerkeschule in Stuttgart, der heutigen HFT Stuttgart. Gleichzeitig machte er eine Steinhauer- und Zimmermannslehre. Während seines Studiums arbeitete er als Bauzeichner. Sein Leben und Wirken führte ihn auf drei Kontinente.

1910 ging Benz, nach dem sein Büro in Esslingen bankrottging, mit seiner Ehefrau nach China. Dort baute er die Eisenbahnlinie von Peking nach Nanking und den Bahnhof in Nanking. Außerdem beteiligte er sich als Planer am Bau des Parlamentsgebäudes in Peking.

1921 wanderte er nach Amerika aus, wo er in einem Konstruktionsbüro für Fabrikarchitektur arbeitete. Seine Ehefrau blieb mit der jüngsten Tochter in Esslingen zurück. Während seines USA Aufenthalts gründete er die ‚Benz Construction Company‘ in Philadelphia.

Zehn Jahre später – 1931 – zog es ihn zurück nach Deutschland. Ab 1934 arbeitete er im Stuttgarter Stadtarchiv. Im Jahr 1937 bekam er seine deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Er blieb jedoch nicht lange in Deutschland. Kurze Zeit später ging er nach Prag. Dort lehrte er als Assistent an der Universität und schrieb an seiner Doktorarbeit. Nebenher betrieb er ein Antiquitätengeschäft. Benz, zu diesem Zeitpunkt ein gefragter Architekt und Kunstgeschichtskenner, katalogisierte auch Kunstschätze für die Nazis. Darunter Beutekunst, die jüdischen Mitbürgern gestohlen wurde. In der Folgezeit prangerte Benz in seinen Vorlesungen wiederholt das Vorgehen der Nationalsozialisten an. 1944 wurde er wegen angeblicher Beleidigung der Nationalsozialisten verhaftet. Kurze Zeit später starb er im Konzentrationslager Sachsenhausen. Der genaue Todeszeitpunkt ist unbekannt.

Was von Albert Benz geblieben ist, erzählt seine Enkelin Susanne Weber, Schwester von Erika Weber: „Seine Handschrift hat das Stadtbild von Esslingen bis heute geprägt.“ Auffällig in seinen Werken sei der Stilmix vom Mittelalter, über Barock bis zur Renaissance. Neben der Restaurierung der Sektkellerei Kessler und dem Bau der Stadtwerke, entwarf und baute Albert Benz auch die denkmalgeschützten Stadtvillen am Eisberg in Esslingen, an der Bundesstraße 10. Darüber hinaus restaurierte Benz die Burg Beilstein. Auch viele seiner Gebäude in China sind bis heute erhalten.

 

Philipp Jakob Manz (1861–1936)

Wer zur damaligen Zeit als Fabrikant Rang und Namen hatte, der beauftragte den erfolgreichsten deutschen Industriearchitekten der Kaiserzeit seine Fabrikhallen zu bauen oder zu erweitern. Sein Handwerk erlernte er als Maurer und Steinhauer und ab 1877 an der Königlich Württembergischen Baugewerkeschule.

Zu seinen bekanntesten Bauten zählen das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, das zwischen 1915 und 1918 als Waffen- und Munitionsfabrik erbaut wurde, die Zeppelin-Werftanlagen in Friedrichshafen (1909), die Gewehrfabrik Mauser in Oberndorf oder die ehemalige Uhrenfabrik Junghans in Schramberg (1916 bis 1918). Weitere Fabrikbauten sind die Salamanderwerke in Kornwestheim (1904 bis 1910), die Strickwarenfabrik Wilhelm Bleyle in Stuttgart (1907) oder der Glaspalast für Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg (1909 bis 1910).

 

Albert Hirth (1858–1935)

Nach einer Mechaniker- und Maschinenbauerlehre schrieb sich der gebürtige Meimsheimer 1878 an der Königlich Württembergischen Baugewerkeschule ein. Auf den Ingenieur gehen zahlreiche Erfindungen zurück. Er arbeitete unter anderem für die Uhrenfabrik Junghans in Schramberg oder mit Robert Bosch zusammen.

 

Joseph Cades (1855-1943)

Joseph Cades war ein deutscher Architekt des Historismus. Er entwarf zahlreiche katholische Kirchenbauten, darunter 39 Kirchen in der württembergischen Diözese Rottenburg, um 1880 wirkte er am Ulmer Münster mit.

Seine Ausbildung begann er mit einer Lehre als Steinmetz, ab 1871 besuchte er die Königlich Württembergische Baugewerkeschule, die heutige HFT Stuttgart. Nach Studien in Deutschland, Italien und Frankreich gründete er 1886 sein eigenes Büro in Stuttgart und widmete sich vor allem dem katholischen Kirchenbau.

Cades' Stil reicht von der Neugotik über die Neuromanik bis zum Neubarock. Sein Markenzeichen waren imposante romanisierende Backsteinbauten mit großen weißen Putzfeldern wie bei der Liebfrauenkirche in Bad Cannstatt und der Kirche St. Elisabeth im Stuttgarter Westen zu sehen.

Joseph Cades ist auch für seine Zeichnungen von alten Baudenkmalen bekannt. Bis 1921 engagierte er sich bei der Inventarisierung der Kunstdenkmale in Württemberg und erwies sich als herausragender Kenner der Kunstgeschichte Schwabens.

 

Gustav Bauernfeind (1848 – 1904)

Gustav Bauernfeind, geboren in Sulz am Neckar, war Maler, Illustrator und Architekt. International gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Orientmaler.

Sein Architektur-Studium absolvierte er an der Königlichen Baugewerkeschule, der heutigen HFT Stuttgart. Danach arbeitete er zunächst im Architekturbüro von Professor Wilhelm Bäumer und später im Büro von Adolph Gnauth. Durch ihn fand er auch zur Malerei. Erstmals 1880/81 bereiste er den vorderen Orient und entdeckte fortan seine Liebe für den Orient. 1896 zog er mit seiner Familie nach Jerusalem. Er lebte und arbeitete dort sowie im Libanon und in Syrien.

Seine Werke zeichnen sich vor allem durch Architektur- und Genrebilder mit Motiven aus Palästina und Syrien aus. Bauernfeinds Spezialität waren akribisch ausgearbeitete, aufwendig komponierte und zumeist beinahe fotografisch genaue Stadtansichten und Bilder in Öl. Daneben schuf er auch Aquarelle und Landschaftsszenen. Seine Bilder sind eine künstlerische Wiedergabe der Verhältnisse in Palästina und Syrien im späten 19. Jahrhundert.

In seiner Geburtsstadt Sulz am Neckar sind im Bauernfeind-Museum in einer Dauerausstellung fast 100 Werke zu sehen. Zudem vermitteln Fotos und Schriftstücke ein interessantes Lebensbild der Familie Bauernfeind.

 

Adam Friedrich Gabler (1834–1915)

Von 1849 bis 1853 absolvierte der in Mühlhausen geborene Maurer und Steinhauer-Polier die Winterbaugewerkeschule in Stuttgart. Ab 1865 machte er sich als Bauunternehmer in Nürtingen selbständig und war vor allem im württembergischen Eisenbahnbau tätig; unter anderem bei den Streckenabschnitten Kochendorf–Jagstfeld und Tübingen–Dußlingen. Er war aber auch an den Bauten in der Stuttgarter Wilhelma beteiligt.